Reisebericht Besuch Hope Eden Farm


Bilder der Reise findet ihr in der Fotogalerie unter Trips! Viel Spaß!

REISEBERICHT UNSERER FAHRT ZUR HOPE EDEN FARM BEI ABUJA (29.09. – 03.10.2007)

Los ging´s am letzten Samstag im Monat – Sanitation Day! Von 7.00 – 10.00 Uhr ist in Lagos Fahrverbot, da alle Lagosianer Reinigungsarbeiten leisten sollten! Also mussten wir um 5.00 Uhr losfahren, dass wir um 7:00 Uhr aus Lagos draußen sind. Das war auch gut so, denn wir hatten 750 km bis Abuja auf Nigerias Straßen vor uns! Erwartungsgemäß hatten wir viele Polizeikontrollen auf der Strecke, die allerdings erstaunlich freundlich waren.

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Mehr Schwierigkeiten bereiteten uns die schlechten Straßen – bedingt durch die Regenzeit. Einige Straßen waren aufgrund steckengebliebener Wagen auch blockiert und wir mussten mit Hilfe von ortskundigen „local boys“ Umleitungen fahren. Ansonsten waren diese Abschnitte für Rainer ein wunderbarer Offroad - Fahrspaß. Selbst die Polizisten machten dies bei ihren Roadblocks zum Thema: „…smooth, smooth, Nigeria road is no good, all the money is going in the pocket of governors and senators …“!

Mit von der Partie waren Reinhold, Martina und Steffi inkl. dessen Fahrer Babatunde und in unserem Jeep Monika, Jürgen, Andrea und Rainer mit Pluto.

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Rechtzeitig bevor es dunkel wurde sind wir nach 12,5 Stunden Fahrt in Abuja angekommen und kehrten im Siemens-Guesthouse dank Reinholds Organisation ein. Unser zweiter Besuch nun in Abuja hat uns erneut staunen lassen, wie sauber und ordentlich, fast europäisch, die Hauptstadt im Kontrast zu Lagos ist. Am nächsten Tag fuhren wir nach einer kurzen Stadtführung und dem Besuch eines Kunst-Marktes in Abuja weiter zur Hope Eden Farm.

Dort angekommen erhielten wir ein herzliches Willkommen von Shikar und Annegret. Pluto stürmte sofort los, um die Gegend zu erkunden – für ihn hieß es mindestens genauso wie für uns: endlich mal raus aus Beachland und die Natur geniessen!

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Shikar hat sich den gesamten nächsten Tag Zeit für uns genommen, um uns die Fortschritte der Farm zu zeigen. Es ist so erstaunlich und bewundernswert, wie viel Kraft und Energie die beiden investieren für die Gemeinschaft. Mal auf der Farm gewesen zu sein mitten im Busch lässt einen noch viel mehr spüren als in Lagos wie schwierig das Leben hier ist – ohne Sozialversicherung, ohne staatliche Schulen, ohne funktionierende Banken, ohne Subventionen, ohne Infrastruktur, geschweige denn Luxus wie fließend Wasser oder öffentliche Stromversorgung.

Das Betreiben der Farm wirft gerade soviel ab, dass die Gemeinschaft versorgt werden kann und in ganz kleinen Schritten Neuentwicklungen möglich sind. 75% des Einkommens der Farm kommt aus dem Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte wie Mais, Reis, Yams und Sojabohnen. Die Felder müssen natürlich in der Trockenzeit bewässert werden. Dafür wurde unter größter Anstrengung der Community ein Staudamm gebaut, der sich während der Regenzeit füllt und in der Trockenzeit zur Bewässerung des z.B. nebenanliegenden Reisfeldes dient.

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Nur wie alles bewässern ohne entsprechendes Equipment? Teilweise konnten bereits schon Lösungen gefunden werden mit z.B. entsprechenden „Wasserwegen“ in den Feldern oder einer kleinen Solaranlage zur Betreibung einer Wasserpumpe. Um z.B. Reis- und Maiskörner bzw. Erdnüsse zu verarbeiten (schälen, Öl pressen) stehen der Farm Mühlen zur Verfügung, die u.a. von der deutschen Regierung gesponsert wurden. Im vergangenen Jahr konnte das Gebäude für die Hühnerzucht fertiggestellt werden.

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Und das alles bewerkstelligen die beiden überwiegend zu zweit mit zwei festen Angestellten (arbeiten für freie Unterkunft und Essen) und saisonalen Helfern.

Hope Eden – Annegret und Shikar schaffen es neben ihrer täglichen harten Arbeit, Hoffnung zu geben für die Gemeinschaft. Mit dem Aufbau der Community School wollen sie ihren Beitrag leisten, um zumindest den Kindern in der Umgebung Bildung zukommen zu lassen. Denn sie sind der Überzeugung, dass nur durch mehr Bildung die Menschen lernen, mitzubestimmen und Kritik zu üben. Immerhin ist Nigeria eine Demokratie – nur an der Umsetzung hapert es noch gewaltig. Mit viel harter Arbeit und Spendengeldern wurde nun das Fundament der Schule fertiggestellt. 2.000 Euro aus dem neu gegründeten Förderverein in Deutschland (Hope Eden e.V.) flossen in dieses Projekt (über 700 Euro davon kamen aus unserem Spendenaufruf anl. Jeeptour – DANKE nochmals an alle Wohltäter!).

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Die erste Playgroup (Kindergartengruppe) hat bereits in dem bestehenden Community House begonnen, betreut von Judith und Jana aus Deutschland, die ein freiwilliges soziales Jahr leisten. Für die Volounteers wurde gesponsort vom CVJM eine Rundhütte als Unterkunft gebaut.

Einige der Kinder kommen aus dem Ort gleich nebenan. Wir haben sie gemeinsam mit Shikar nach Hause begleitet in ihr village. Dort haben wir den Chief (Ortsvorsteher) begrüßt, die Eltern der Kinder und deren Lebensbedingungen kennengelernt, Frauen beim „ausklopfen“ und nachbearbeiten von speziellen Maiskörnern zugeschaut und erkannt, dass Frauen die Arbeiter sind und die Männer im Schatten liegen und dösen. Shikar hat uns dieses Rollenverständnis so bestätigt. Zum Mittagessen duften wir an einem typisch afrikanischen Lunch teilhaben, was bedeutete mit den Finger zu essen. Den gestampften Mais in die Gemüsesuppe eintauchen und rein damit!

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Ein tägliches Übel ist der Zustand der Hauptstraße, die einzige Verbindungstraße zur Zivilisation. Zur Zeit fahren täglich mehrere Fuhren mit sandbeladenen LKWs über diese Straße, da in der Nähe für eine Baufirma Sand abgebaut wird. Diese verursachen tiefe Schlammfurchen, die wiederum normalen PKWs das Passieren fast unmöglich macht.

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Immer wieder steht die Community zusammen und schüttet aus viel eigener Kraft die Wege wieder zu um selbst die Straße benutzen zu können. Es vergeht nur ein Tag in der Regenzeit und die Schlammlöcher sind wieder da und die Straße für PKWs unpassierbar. Irgendwann hat die Dorfgemeinschaft gestreikt und die Straße blockiert, um zu erwirken, dass die Behörden sich endlich dieser Problematik annehmen. Ende vom Lied war, dass sie festgenommen wurden als DIE ÜBELTÄTER, weder die Behörden noch die Baufirma sahen sich in der Pflicht, irgendetwas zu unternehmen. Die LKWs fahren weiterhin täglich ihre schweren Fuhren und zerstören die Straße … dass diese Situation der Bevölkerung tagtäglich enorme Schwierigkeiten bereitet, interessiert nicht. Man fühlt sich traurig und hilflos.

Auch unsere Mitreisenden Reinhold, Steffi und Martina hatten ihre Erfahrung mit der Straße gemacht: „kurz mal Bier holen“ hat sich zu einem längeren Abenteuer entwickelt. Trotz dem 4x4 Toyota Landcruiser mit seinen 280 PS sind die drei in der Schlammstraße steckengeblieben. Also aussteigen, anschieben, Hilfe holen. Kaum sind alle draußen, wird die automatische Zentralverriegelung aktiviert. Prima, der Autoschlüssel steckt und alle Handys sind drin. Mist! Auf eine abenteuerliche Okada-Fahrt (Moped) begibt sich Steffi, um Hilfe zu holen, was keine leichte Aufgabe war.

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Ein LKW war den dreien beim Rausziehen aus dem Schlammloch behilflich, wobei beim ersten Versuch dessen Stoßstange abgerissen ist. Aber nach dem Motto „one broken one lost“ ließen sich die Helfer nicht entmutigen und die Aktion ist beim zweiten Versuch geglückt. Ohne Bier und ganz schön erledigt kamen die drei wieder auf der Farm an.

Insgesamt haben wir dank Annegrets und Shikars Gastfreundschaft die drei Tage auf der Hope Eden Farm sehr genossen. Wir können dieses kleine Paradies auf Erden nur weiterempfehlen! Wir wünschen den beiden von Herzen weiterhin viel Kraft und alles Gute!

Die Heimreise nach Lagos teilten wir in zwei Etappen mit Übernachtungsstopp in Lokoja am Niger ein. Die Roadblocks der Polizisten haben uns auf dem Rückweg doch sehr genervt, bei einem mussten wir sogar umkehren, da sie uns mit vorgehaltenen Nagelbrettern nicht passieren lassen wollten. Pluto hatte irgendwann die Schnauze voll von der Fahrerei und suchte die Nähe, indem er immer wieder versuchte sich an Jürgen vorbei nach vorne zu mogeln. Mit vielen Eindrücken und angenehm k.o. sind wir wieder gut in Lagos angekommen. 

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27. Oktober 2007

… und zum Schluss noch ein Spezial für Banker:
Vor ca. 10 Jahren haben Annegret und Shikar dieses Stück Land im Busch gepachtet. Die wilde Natur musste zunächst gebändigt werden bevor das erste Haus gebaut werden konnte und an landwirtschaftliche Nutzung zu denken war. Shikar hat damals bei einer großen nigerianischen Bank versucht einen Investitionskredit für den Aufbau der Farm zu bekommen. Es hat ZWEI ! Jahre gedauert und 5.000 Naira (damals sehr viel Geld) „gekostet“ bis ein Bankmitarbeiter die Farm besuchte und einen Report verfasste. Der Report ist dank des Schmiergeldes positiv ausgefallen und das Projekt für kreditwürdig befunden worden. Zur Bewilligung des Kredites wäre allerdings die Genehmigung eines weiteren Bankmanagers erforderlich gewesen, was nochmals 10.000 Naira hätte „kosten“ sollen. Hier war der Punkt erreicht, an dem Shikar nicht mehr mitspielte. Nicht zuletzt wäre ein Kredit hierzulande mit 32 % Zins zurückzuzahlen gewesen. So waren sie auf sich gestellt und sind es nach wie vor.