Lagos ist in 16 Local Government Areas (wie Stadtteile) eingeteilt. Die Bevölkerungsdichte ist in den einzelnen Gebieten sehr unterschiedlich:
Die relative Nähe zum Äquator macht sich durch ein
feuchtheißes Tropenklima bemerkbar. Die durchschnittliche Höchsttemperatur von 30°C fast während des ganzen Jahres und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 70% in der Trockenzeit (April-Okt.) und 85% in der Regenzeit (Nov.-März) ist nach entsprechender Eingewöhnung durchaus erträglich.
Lagos ist der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt sowie
Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum des Landes. Mit seinen 11,6 Millionen Einwohnern ist Lagos eine übervölkerte, quirlige, geschäftige, rastlose Menschenansammlung. Der ständige Zustrom aus dem Landesinnern und den Nachbarstaaten (Gastarbeiter) sowie Firmen und Geschäftsleute führte in den letzten Jahrzehnten zu einer planlosen Ausweitung der Wohnsiedlungen mit Elendsquartieren neben modernen Hochhäusern aus Glas und Beton.
Trotz eines modernen, teilweise von deutschen Baufirmen errichtetes Stadtautobahnnetzes mit zahlreichen Überführungen und Brücken über die Lagunen ist der
Verkehr regelmäßig überlastet und bricht zusammen. Es kommt zum
go-slow. Stundenlange Fahrtzeiten für die Beschäftigten zu und von ihren Arbeitsstätten in schäbigen und überfüllten Bussen sind durchaus normal. Die pressierten Autofahrer versuchen durch Ausnutzung jeder Lücke und unter souveräner Missachtung aller Verkehrsregeln mühsam Boden zu gewinnen. Der Go-slow, der zu verschiedenen Tageszeiten und an wechselnden Punkten auftritt ist die Stunde für das Heer der Straßenhändler aller Altersstufen. Auf diesem wandernden Supermarkt wird die Palette der Schmuggelgüter am Autofenster vorgeführt: Armbanduhren, Stereogeräte, Taschenrechner, Schuhe, Parfums, Autozubehör, in Zellophan gepackte Äpfel und vieles mehr. Setzt sich die Kolonne wieder in Bewegung wird der Handel im Laufschritt fortgesetzt.
An Verkehrsknotenpunkten und anderen neuralgischen Plätzen wie großen Bushaltestellen haben sich ständige
Märkte gebildet. Das Warenangebot ist umfangreich und reichhaltig. Lautstarke afrikanische Musik aus voluminösen Lautsprechern hebt den ohnehin hohen Geräuschpegel, der durch den Verkehrslärm, ständiges Hupen, schreiende Kinder, zeternde Marktfrauen und marktschreierische Verkaufsaktionen verursacht wird, auf einem für das ungeübte Trommelfell beängstigenden Grad an. Darüberhinaus sorgen am Straßenrand angesiedelte Autowerkstätten, Friseure, Schuster, Zeitungsverkäufer usw. für quirlige Geschäftigkeit. Man gewinnt fast den Eindruck, dass jeder Nigerianer ohne feste Anstellung ein Händler im Kleinen oder im Großen ist. Und in der Tat ist jedem Nigerianer der Drang, Handel zu treiben, angeboren. Es ist deshalb nicht überraschend, dass es trotz aller Misere kaum Bettler gibt.

Zum gewohnten Stadtbild gehört leider jegliche Art von
Müll. Ausgediente, nicht mehr benötigte und unbrauchbare Dinge werden an Ort und Stelle stehen-, liegen- oder fallengelassen. Müllberge an den Straßenrändern werden in der Trockenzeit durch Verbrennen ab und an reduziert, in einzelnen Wohngebieten sorgt die Müllabfuhr in unregelmäßigen Abständen für Abhilfe. In der Regenzeit verwandeln sich die Müllberge in übel riechende, krankheitsfördernde Verwesungshaufen.
Das Fehlen bzw. der schlechte Zustand von Abwasserkanälen, die zumeist offen am Straßenrand verlaufen und gleichzeitig als Abfalleimer dienen, führen bei starken Regenfällen zu
Überschwemmungen. Ganze Straßenzüge stehen dann knietief unter Wasser.
Der größte Umschlagplatz für Importe nach Nigeria sind die drei Hafenanlagen Lagos, Apapa und Tin Can Island. Exportiert werden in großem Umfang Erdnüsse, Baumwollwaren, Nutzholz, Kakao und Palmöl. Chemische Produkte, Maschinen, elektronische Geräte, Bier, Nahrungsmittel und Textilien werden in der Stadt hergestellt. Die Einnahmen aus dem Export von Erdöl haben zu einem allgemeinen Anstieg der Preise und Lebenshaltungskosten geführt, die Lagos zur
teuersten Stadt Nigerias machen. Ende 2007 lagen die Mietpreise im Stadtteil Victoria Island bei bis zu 50.000 Euro pro Jahr für eine 3-Zimmer-Wohnung. Trotz des Ölreichtums sind lange Warteschlangen wegen der Benzinknappheit an den Tankstellen des Landes keine Seltenheit. Wandel und Durchlässigkeit prägen das städtische Zusammenleben. Ein Zimmer wird von durchschnittlich vier Menschen bewohnt, und das Leben spielt sich vor allem auf den Straßen ab.
Trotz ihrer allgegenwärtigen Präsenz in den Städten und auf den Fernstraßen ist die
Polizei für den Bürger und Reisenden kaum ein „Freund und Helfer“. Wegen der ständigen Behelligung an den zahllosen „Check Points“ genießt sie einen schlechten Ruf. Eine Hilfestellung kann kaum ohne vorheriges finanzielles Entgelt (dash) erwartet werden. Wie in vielen Großstädten gibt es auch in Lagos
Kriminalität. Hauseinbrüche, Raubüberfälle, Autodiebstähle und vor allem Überfälle auf Autoinsassen (Raub von Geld, Handy, etc.) während der genannten go-slows vorwiegend in der Dämmerung bzw. Dunkelheit. Sicherheitshalber sollte man Fahrten in der Dunkelheit vermeiden, im Konvoi oder zu möglichst „staufreien“ Zeiten fahren. Wohngebiete (wie z.B. Beachland) oder einzelne Wohnhäuser werden in der Regel von privaten Sicherheitsfirmen bewacht.
Wenn es der Verkehr erlaubt, lohnt es sich, die Stadt etwas
näher kennen zu lernen. Um Lagos und Afrika hautnah zu erfahren, sollte man es sich nicht entgehen lassen, in verschiedene Märkte „einzutauchen“ und das Angebot, den Handel, das Temperament, die Gerüche live zu erleben! Im Muson Center finden regelmäßig Konzerte statt, es gibt zwei Kinos und viele Restaurants und Bars. In den meisten Bars und Kneipen wird häufig Live-Musik gespielt. Wer einen Spaziergang im Grünen machen möchte, kann den Chevron-Park besichtigen, der verschiedene Flora und Fauna bietet, allerdings auch schon etwas heruntergekommen ist. Eindrucksvoll und lohnenswert ist eine Bootsfahrt durch die Lagunen von Lagos, am besten mit einem hier bekannten Bananaboats. Ein Highlight, wenn man in Lagos lebt, ist natürlich der Strand, der für viele am Wochenende auf dem Programm steht. Ob Eleko Beach, Taqua Beach oder private Strände, das rauschende Meer am Palmenstrand ist garantiert.
Lagos ist ein überdimensionierter Zerrspiegel des Landes und seiner Bewohner. Es ist eine Stadt der Widersprüche, wo der Reichtum der Wohlhabenden und das Massenelend in den Slums, hochmoderne Technik und vorindustrielles Handwerk in unmittelbarer Nachbarschaft anzutreffen sind. Es quillt über von Leben, wirkt abstoßend und anziehen zugleich!
LAGOS, CENTRE OF EXCELLENCE …
… wo Handwerker ohne Werkzeug kommen
… wo Wasser in Tüten und Erdnüsse in Flaschen verkauft wird
… wo sich Nichtschwimmer als Rettungsschwimmer bewerben
… wo sich der Schrottplatz für Autos auf der Straße befindet
… wo man beim Geldabheben in der Bank Falschgeld bekommt
… wo Reinigungskräfte ohne Wasser den Boden schrubben
… WO NICHTS UNMÖGLICH IST!
April 2008